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  7. Donations

Scheinwerfer revidieren - Komplettanleitung mit Tipps und Tricks

  • Palle
  • October 31, 2024 at 3:17 AM
  • October 31, 2024 at 10:28 AM
  • 2,539 times viewed
  • 3 comments
  • Hier ist genau beschrieben, wie die Scheinwerfer Schritt für Schritt revidiert werden und was man als Ersatz für benötigte, aber entfallene, Teile nehmen kann...

    Hallo zusammen,
    ich möchte euch eine kleine Hilfestellung zur Revision eurer Scheinwerfer geben - das ganze erklärt an meinen "Cibie" Scheinwerfern.

    Bitte beachtet, dass sich alle Teilenummern sowie die Anleitung auf die "Cibie" Breitbandscheinwerfer meines Coupe quattro Typ 85 beziehen und ihr bei abweichenden Scheinwerfern die Verwendbarkeit selbst prüfen müsst...


    a) Wo kann man die Reflektoren beschichten lassen? -> Schaut hier!


    b) Scheinwerfer zerlegen:



    1) Ausbauen

    2) Wenn ihr die Scheinwerfer ausgebaut habt, dann zuerst mal den groben Schmutz entfernen.

    3) Alle Leuchtmittel entnehmen.

    4) Alle Klammern rund um das Glas vorsichtig entfernen und dann das Glas mit Hilfe z.B. eines Kunststoffkeils sanft "herunterhebeln"... Bitte KEINEN Schraubendreher verwenden - hier habt ihr RuckZuck das Glas beschädigt.

    5) Wenn ihr das Glas entfernt habt, dann schaut euch den eingeklebten Reflektorstreifen an - ist dieser TOP, dann das Scheinwerferglas "manuell" reinigen - ansonsten den Streifen vorsichtig herauslösen (ist geklebt) und dabei möglichst nicht verbiegen...

    6) Nun erstmal, wenn noch nicht geschehen, mehrere Lagen "Microfasertücher" auslegen und den Scheinwerfer auf die "Glasseite" darfauf legen.

    7) Dann die Sicherungsscheiben am Fernlichtrefklektor entfernen - hierbei bitte einen Seitenschneider verwenden (ja, damit gehen sie kaputt... dazu nachher mehr...) und NICHT "rumhebeln" - denn sonst brechen euch schnell die Plastikteile kaputt - danach die "Knochen" (Gelenke zwischen Einstellschrauben und "Einstellstiften" )entnehmen.

    8 ) Wenn alle Scheiben entfernt sind, dann vorsichtig (!!!) die eine Ecke des Fernlichtreflektors, die mit einem "festen" Stift im Scheinwerfergehäuse befestigt ist, durch vorsichtiges "ziehen" mit den Händen "ausclipsen" (geht etwas schwer).

    9) Danach den Reflektor zusammen mit den "Einstellstiften" aus dem Gehäuse ziehen.

    10) Schritt 8 - 9 mit dem "Abblendlichtreflektor" wiederholen.

    11) Die beiden Schrauben für die "Reflektoraußenecke" herausschrauben und die Außenecke entnehmen + verpacken.

    12) Nun die "Befestigungsecken" der Reflektoren abhebeln - dabei aber die "Einstellstifte" NICHT versuchen vorher aus zu clipsen (denn dabei gehen sie gerne kaputt)... Einfach in die "Entriegelung" mit einem kleinen Schraubendreher hebeln und gleichzeitig die Ecken z.B. mit einem Kunststoffkeil von den Reflektoren hoch- / abdrücken.

    13) Danach die Fassungen aus den Reflektoren entfernen - ja, dass muss sein - ihr müsst die Reflektoren ohne Anbauteile einschicken. Beim Abblendlichtreflektor müsst ihr die Fassung vorsichtig und gleichmäßig aus der Pressung hebeln. Beim Fernlicht müsst ihr z.B. mit einem kleinen Schraubendreher von der Innenseite die vier "Klemmnasen" soweit umbiegen, bis ihr die Fassung herausbekommt.

    14) Dann noch die zwei Nieten des "Deflektorblechs" am Abblendlichtreflektor aufbohren und diesen Entfernen.

    14) Nun die Ecken und die Reflektoren einschicken zum beschichten - die "Blechsstreifen" können leider nicht beschichtet werden.



    c) Reinigung / Überarbeitung und Zusammenbau


    1) Gehäuse

    - Einstellschrauben: Bitte prüft, ob die "Kreuzschlitzköpfe" der Einstellschrauben noch intakt sind - wenn ja, dann versucht trotzdem nicht diese mit einem Schraubendreher (wie vorgesehen...) herauszudrehen, sondern entfernt die "Plastikkappe" um den Kopf und dreht die Schrauben so vorsichtig es geht mit z.B. einer Rohrzange heraus... Anders wird es nichts, außer das ihr die Schrauben meißt zerstört. Diese haben die Teilenummer 855941141A und sind EoE... Ich habe gerade noch einen Satz bei einem einschlägigen Teilehändler als "NOS" bekommen - aber das war mehr Glück.

    - Halter am Gehäuse: Sollte bei euch auch der Halter mit dem "Gewinde" defekt sein, wie bei mir, dann könnt ihr als "Reparaturteil" hier einen "Nutenstein / Gewindeplatte 25x12x5 mm M6 Gewinde mittig" einsetzen... Dieses hatte ich bei "eBay" gekauft. Ihr müsst allerdings etwas innen vom Kunststoff z.B. mit einem Dremel "wegschleifen", damit es zu 100% passt... Ist aber schnell erledigt.


    - Reinigung des Gehäuses: Nach den ersten beiden Schritten noch den Entlüftungsschlauch sowie die vier Dichtkappen der "Einstellstifte" entfernen und dann das Gehäuse ordentlich reinigen... Hier hat sich bei mir der "Tuga Chemie - Kunststoff Teufel" in Verbindung mit einer "Spülbürste" als perfekt erwiesen... Danach alles Abspülen und direkt abtrocknen.

    - Dann schneidet das Gewinde für die "Einstellschrauben" komplett mit einem M8 Gewindeschneider (fertigschneider) einmal nach und dann nochmal alles "ausblasen" zum reinigen


    2) Scheinwerfergläser + Dichtung

    - Die benötigte Dichtung "855941119" ist zwar EoE - aber kein Problem... Ihr braucht hier einfach "Moosgummi-Vierkant-Profil 6 x 10 mm - Profilschnur aus geschlossenzelligem Moosgummi in EPDM-Qualität" - das bekommt ihr als Meterware für "kleines Geld" HIER . Ihr nehmt dann eure alte Dichtung, "reißt" diese an der Klebestelle auseinander und schneidet eure "neue Dichtung" in der gleichen Länge ab. Dann müsst ihr die "neue Dichtung" nurnoch mit handelsüblichem Sekundenkleber (Cyanacrylat) zusammenkleben. Dafür ein Tipp von mir: Ihr nehmt euch am besten einen kleinen "Maschinenschraubstock" / "Standbohrmaschinenschraubstock" und Backpapier (ja, BACKpapier) und spannt hier "lose" eine Ende ein - das Backpapier als Trennschicht dazwischen - und zwar ohne die Dichtung zu quetschen... Dann packt ihr DÜNN Kleber auf die andere Schnittkante des "offenen Endes" und drückt dieses dann an das Stück im Schraubstock... da hierbei dann drei Seiten quasi "geführt" sind, bekommt ihr ein perfekt paralleles Klebeergebniss...


    - Sollte euer "Reflektorblech" im Glas "trübe" oder defekt sein, dann entfernt ihr dieses (siehe b) - 5) ) und dann müsst ihr leider erst alle Klebereste "abknibbeln". Danach das "Scheinwerferglas" ohne Streifen in die Spülmaschine packen und "waschen". Der "Reflektorstreifen" kann leider nicht beschichtet werden - aber ich hab da eine perfekt funktionierende Lösung gefunden: Ihr braucht: "3M 468 MP doppelseitiges Transfer, 5 Blatt (20,30 cm x 20,30 cm " sowie "Spiegelfolie Selbstklebend / Flexibler Klebespiegel (4 x 6 Zoll)". Erst reinigt ihr nochmal den Reflektorstreifen mit Spiritus und danach klebt ihr auf die "Klebeseite" vollflächig das "3M 468 MP Transfer(klebeband)"... danach schneidet ihr mit einer Schere passend die Spiegelfolie aus und klebt diese auf die "Reflektierseite"... das passt zwar nicht so ganz - aber wenn ihr es so macht, wie ich, und es so schneidet, dass auf der "breiten Seite" nur an der "hinteren" Ecke eine kleine Ecke fehlt, dann könnt ihr hier ein kleines, zweites "Reststück" passend dort hin kleben - wobei man das durch den Reflektor dort eh nicht sieht.... Sollte sich später herausstellen, dass die "Selbstklebeseite" des Spiegels doch ablöst, dann kann man auch hier die "3m" Transferklebetechnik anwenden....

    (Bilder mit Schutzfolie)


    3) Vorbereiten der Reflektoren:


    ACHTUNG die Beschichtung ist HAUCHDÜNN und wirklich auch in keinster Weise "polierbar" und auch am besten nichtmal "drin herumwischen".... Daher genau arbeiten und AUFPASSEN.

    - Das Deflektorblech kann am besten "aufbereitet" werden, indem man es vorher mit "Zink-Alu-Spray" in mehreren Schichten lackiert.

    - Zum Zusammenbau: Erstmal legen wir uns wieder ein paar "Microfasertücher" parrat. Dort packen wir mit der den "Abblendlichtreflektor" mit der "Reflektorseite" drauf und schauen, dass da nichtmal ein "Krümel" drunterliegt.

    - Ihr müsst nun zuerst die Lampenfassung dort einpressen... hier habt ihr nur einen Versuch und müsst daher genau schauen, dass die Einbauposition passt... Also Ausrichten und dann gleichmäßig "eindrücken" ohne zu verkanten... Ja, dabei geht an der Klemmfläche die Beschichtung etwas kaputt - aber (zumindest bei mir...) war dies nur direkt an der Klemmung so und im eigentlichen "Reflektorbereich" war alles unbeschädigt geblieben.

    - Dann vernieten wir das "Deflektorblech" wieder mit 4mm Alunieten.

    - Danach schauen wir uns genau an, wo "Montageecken" mit den zwei (kurzen!!!) "Einstellstiften" sowie die eine Montageecke zum Einclipsen im Gehäuse hingehört.... Wenn wir uns sicher sind, dann diese wieder auf die Laschen am Reflektor drücken und "einklicken".

    - Weiter gehts mit dem "Fernlichtreflektor" - hier ist es GANZ WICHTIG, dass ihr vorher an der Fassung die Haltenasen komplett "gerade biegt" und ihr die Fassung quasi ohne Widerstand in den Reflektor eingedrückt bekommt. Auch hier wieder die Einbauposition genau checken und den Drahtbügel nicht vergessen.... Wenn die Fassung "in Position" ist, dann nehmt ihr euch ein Stückchen Dachlatte mit einem Lappen und legt den Reflektor mit Fassung vollflächig auf der Fassung ab. Nun kommen wir zu dem "spannenden Teil": Ihr müsst danach die Haltenasen wieder "in Festposition" zurückbiegen... Hierbei hat sich bei mir folgendes als "Biegewerkzeug" bewährt: Der "Kopf" eines Pinselstiels (kleiner "Malpinsel mit Holzstiel".... Also mit dem Stielende die Laschen Fest an den Reflektor drücken und dabei auf gar keinen Fall abrutschen... Ihr habt wieder nur einen Versuch....


    - Und nun auch wieder bei dem Fernlichtreflektor: Wir schauen uns genau an, wo "Montageecken" mit den zwei (diesmal langen!!!) "Einstellstiften" sowie die eine Montageecke zum Einclipsen im Gehäuse hingehört.... Wenn wir uns sicher sind, dann diese wieder auf die Laschen am Reflektor drücken und "einklicken".


    4) Der Zusammenbau:

    1. Entlüftungsschlauch und Dichtkappen wieder einbauen

    2. Einstellschrauben mit einer kleinen Messingbürste "Zündkerzenbürste" reinigen, mit Bremsenreiniger abwischen und dann handelsübliche Montagepaste dünn aufs Gewinde und die Schrauben bis zum Ende eindrehen.

    3. Reflektorecke mit den zwei Schrauben einbauen

    4. Dann gehts an den Abblendlichtreflektor -> Erstmal Federn auf die "Einstellstifte" stecken (nicht vergessen!) und dann die erste Ecke in den Haltestift des Gehäuses einclipsen... dann die "Einstellstifte" durchs Gehäuse und die Dichtkappen "fädeln" und das Gehäuse mit Reflektor in dieser Position auf die "Reflektorseite" legen.

    5. Dann muss das Gehäuse (wenn die Stifte in der richtigen Position sind) etwas auf den Reflektor gedrückt werden (wegen den Federn...) um die "Verbindungsknochen" wieder in die Stift einzuhängen (auf richtige Seite achten - Rundung des "Gelenks" in die Rundung des Gehäuses).

    6. Wenn die Stifte eingehangen und somit also die "Knochen" in Position sind und auch auf die Einstellschrauben "gefädelt" sind, dann können dort auf die Schrauben wieder die "neuen Sicherungsscheiben" z.B. mit einer Spitzzange aufgepresst werden... Die Sicherungsscheiben sind auch wieder "Normteile" und im Sortiment für kleines Geld bei Amazon oder gut sortierten Eisenwarenhandlungen zu bekommen....

    7. Fernlichtreflektor: Funktioniert genauso, wie beim Abblendlicht -> Schritt 4 - 6

    8. Alles nochmal kontrollieren und eventuelle "Fettdatscher" an den Reflektoren GANZ SANFT und OHNE REINIGER mit einem FEINEN Microfasertuch entfernen und staub "wegpusten".

    9. Die Dichtung auflegen, das Glas aufsetzen und dann nochmal die Dichtungsposition kontrollieren / korrigieren.... Danach wieder mit den Klammern verschließen.


    Sollte bei euch auf der "Halter für die Standlichtbirne" seine besten Tage hinter sich haben: Die Teilenummer 855941669 ist zwar entfallen - aber dieses gibts noch (ohne Verweis auf die TN!!!) als Hella "9FF 126 444-001" für unter 7€ im Teilehandel... 8)


    Und am Ende sieht es dann wieder so aus:



    Ich hoffe euch hat meine Anleitung weiter gebracht - ansonsten gerne melden...

    Grüße
    Palle

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Comments 3

StefanS
August 31, 2025 at 10:34 AM

Super Bericht mit den ganzen Quellen drin, klasse! Danke Dir für die Arbeit, bin auch gerade dran.

Ich werde noch zusätzlich die Einstellschrauben ersetzen weil die immer festgehen und Kreuzschlitz ist nun mal Mist, genau wie die Materialpaarung Messing/Messing (in dem Kunststoff des Gehäuses sind Messingeinsätze). Ich nehme 70mm M8 Gewindestifte V2A mit Innensechkant. Anstatt der blöden Sicherungsscheiben kommt ein M4-Gewinde ans Ende mit Stoppmutter. Dazu braucht man aber eine Drehbank.

Noch ein Gedanke zu den Reflektoren: In meinen Scheinwerfern hatte wohl schon mal einer Hand angelegt und diese lackiert (Chromlack). Sah bombastisch aus aber ist gar nix für die heißen Birnen. Da wo die Birnen mit Licht und Wärme strahlen ist der Lack weggebrannt und nun haben wir den Salat, das ganze Zeug muß runter bis aufs Blech, um es neu zu beschichten. Entweder lasse ich das machen oder probiere Betzmanns Tampon-Galvanik. Mal sehen. Auch der Fernlichtreflektor hat nicht gehalten, also immer die Finger vom Chromlack lassen!

Horst Typ 85
October 31, 2024 at 11:47 AM

Die zwei Nieten des "Deflektorblechs" am Abblendlichtreflektor aufbohren und diesen entfernen...

Ist in Ordnung, das habe ich schon damals bei der Reinigung gemacht.

Man brauch die "Deflektorbleche" am Abblendlichtreflektor NICHT wieder einbauen,

denn seit etlichen jahren ist der Kopf der H4-Glühlampen bedampft!

somit sind die Deflektorbleche unnütz.


Danke für den tollen Bericht mit Fotos :)

Palle
October 31, 2024 at 11:58 AM

Hi Horst,

vielen Dank für dein Lob. ^^

Und technisch hast du zu 100% recht... Und da wird bestimmt auch kein Hahn nach krähen - aber theoretisch hatten die Scheinwerfer bei der Zulassung dieses Blech verbaut und jede "Veränderung" führt zum Erlischen des ursprünglichen Prüfgutachtens. Aber auch klar: Wem das wirklich auffällt, der muss schon gaaaanz Tief im Thema sein ;)

Ich als alter "Originalteil-Monk" :P hab sie halt einfach wieder reingenietet und vorher aufbereitet - aber wie gesagt: Sinnvollen Nutzen haben die nimmer...


Viele Grüße
Palle

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